Sklavenhaus Crispus

Sklavenhaus Crispus

Montag, 16. Juni 2014

Gaius Schwester




Tiberia, deren widerspenstig krauses Haar in einem kunstvollen Zopf gebändigt wurde, nachtfarben wie ihre Augen, stand im kleinen gepflegten Garten im Innenhof des Sklavenhauses Crispus, bog den Kopf in den Nacken, um die wenigen vorüberziehenden Wolken zu betrachten und darüber nachzusinnen, wie viele Gefährtinnen ihr Vater schon gehabt hatte. Seine unzähligen Kinder kannte sie meist nicht einmal. Lediglich ihren Halbbruder Gaius hatte sie zwei oder drei Mal in ihrem Leben zuvor gesehen bevor man ihr eröffnet hatte, dass sie im fernen Victoria zur Sklavenhändlerin ausgebildet werden sollte. Ihr Vater hatte nach dem Tod ihrer Mutter beschlossen, sie  in die Hände seines Sohnes Gaius Crispus zu geben. Er selbst pflegte als Sklavenhändler vor allem die gut betuchten Städte zu bereisen und ganz sicher, so glaubte Tiberia, wäre er längst auf der Suche nach einer neuen Gefährtin.




Ihre Ankunft in Victoria war nun schon drei oder vier Hand her, genau vermochte sie es nicht mehr zu sagen, da sich die Ereignisse in ihrer neuen Heimat entweder zu überschlagen drohten oder sie schlichtweg die Zeit totschlagen musste. Hielt das Schicksal einen dieser zähen Tage für sie bereit, konnten sich die Ahn wie ein Teigklumpen unendlich in die Länge ziehen. Letzteres war ihrem Bruder zu verdanken, der vor kurzem auf die glorreiche Idee gekommen war, dass seine Schwester wie eine seiner lebenden Handelswaren gewinnbringend unter die hochkastigen Junggesellen gebracht werden sollte. Das wiederrum bedeutete, dass ihr Ruf tadellos zu sein hatte. So kam es auch, dass er neben dem jungen Rarius Benendicus Aelius noch zwei weitere Wachmänner einstellte: Aurelius und Vicar. Ihnen hatte er deutliche Anweisungen gegeben. Tiberia hatte  das Haus nicht ohne Begleitung zu verlassen und eine weitere Ansage, die ihr allein galt, vergällte ihr das Leben: Sie hatte züchtige Kleider zu tragen und die bitte schön in den Kastenfarben der Sklavenhändler. Die Farben der anderen Kasten wahlweise nur zu besonderen Ereignissen wie Einladungen in andere Häuser oder beim Empfang der ausgewählten, angesehenen und nicht zuletzt gut betuchten Gäste.
Sie musste feststellen, dass  Ihr  Bruder vieles im Sinn hatte, aber mittlerweile hatte sie den Eindruck gewonnen, dass ihre Ausbildung eher stiefmütterlich behandelt wurde. Gaius eigentliches Ziel stand unumstritten fest. Er wollte hoch hinaus und sich zu einem angesehenen, reichen Mann machen. Lucia, seine liebenswürdige, aber nicht minder ehrgeizige Gattin stand ihm da in nichts nach. Das Hause Crispus war groß und  abgesehen von den vielen Sklavinnen, alle gut durchnummeriert, und den ansehnlichen Gladiatoren, lebten einige Familienmitglieder  im Sklavenhaus. Da war zum Beispiel Fauna, die alleinstehende Mutter von Lucia. Sie  war zwar eine gute Zuhörerin und Ratgeberin, nicht zuletzt aufgrund ihrer Lebenserfahrung, die Tiberia mit ihren neunzehn Märkten nun wirklich nicht zu bieten hatte. Aber irgendwie wurde sie auch nicht so recht schlau aus der Mutter ihrer Schwägerin. Als warmherzig war Fauna nun nicht gerade zu bezeichnen. Da war da noch Illarion, der feingeistige, künstlerisch begabte Sohn von Fauna und Bruder von Lucia, der gerade auf ein desaströses Leben in Verruf zusteuerte, sofern er an seinen eigenwilligen Plänen festhielt, so glaubten es zumindest die einen oder anderen Familienmitglieder der Crispus.

Eine Stimme unterbrach ihre Flucht in ihre Gedanken und ließ sie sich umsehen. 319 näherte sich von der Eingangstüre und bat sie im Auftrag des Herrn Gaius ins Haus zu kommen. Sie seufzte leise, steckte sich eine der zauberhaften Blüten, die sie einem Strauch geraubt hatte, ins Haar und verließ das kleine Paradies inmitten der Mauern des Sklavenhauses, um zu hören, was ihr Bruder mit ihr zu besprechen hatte.



by Tiberia Crispa Tertia

Der Wandel der Zeit und der 'Geheime Raum'



Gaius Laune ist  auf dem Tiefpunkt und so auch die Luft im Hause Crispus dick.
Die Sache mit Illarion und der kastenlosen Haushälterin war noch immer nicht geklärt, da Illarion dem ganzen Ärger aus dem Weg geht und auf Reisen seine Ruhe zu finden erhofft. Gut, wenn er dann auch seinen Kopf wieder findet, sollte es Gaius und Lucia recht sein.
Dazu kommt die Mauschelei mit den Thermen, dazu findet am Donnerstag ein ausserordentliches Kastentreffen statt, welches Gaius gefordert hatte.
Lucia hatte alle Mühe ihren Gaius zu besänftigen, war es doch auch ihre Familie, welche einiges zu Gaius Ärger beiträgt. Sogar ihre sonst so rationale Mutter Fauna steht auf der Seite ihres geliebten Sohnes Illarion, welcher sie so an den Gefährten erinnert, den sie von ganzem Herzen geliebt hat.
Die einzige mit noch klarem Verstand in der Familie schien die junge Tiberia, Gaius Schwester, das hatte Lucia bei einem unverhofften Gespräch von Frau zu Frau wohlwollend festgestellt.

Da Illarion eh grosses vor hat mit der Hafenmeisterei und dann auch nicht mehr im Ludus wohnen würde, beschlossen Gaius und Lucia sich mit der ganzen Sache nicht mehr auseinander zu setzen, zu sehr wurde verletzt, enttäuscht und an den Energien gezehrt, welche man für wichtigere Dinge brauchte.
Vielleicht hatten Gaius und Lucia auch versäumt , sich dem Wandel der Zeit anzupassen. Gefährtenschaften wurden nun aus Liebe geschlossen und nicht mehr um des Vorteils wegen. Kastenlose heimsteinfremde Frauen bekamen sogar aus hohen Kasten Unterstützung, während kastenlose heimsteinfremde Männer nicht so gern gesehen wurden in diesen Kreisen.
So war es am besten, wenn man sich nicht anpassen wollte, die Dinge lieber zu ignorieren, welche man nicht ändern konnte und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Und das Wesentliche waren Gaius und Lucia selbst, die Familie, der Ludus.

Es wurde ein neuer Kampfsklave geliefert, Calum aus dem Norden. Ein Mann, ein Blick und man bekommt weiche Knie und schmutzige Gedanken. Lucia lud daraufhin die Nichte des Prätors Lycia zu sich ein zu einem Tee. Sklavin Gelasia, 326 war optimal für solche Teekränzchen geeignet, denn sie kannte sich aus mit anregenden Substanzen in Puddings und Räucherstäbchen.
Das Resultat, um es kurz zu machen, war, dass Calum die bis dahin noch jungfräuliche Lady Lycia zu einer Frau machte, sie sich unanständig und gierig in den Fellen auf dem Boden des 'geheimen Raumes' wälzte, während Kampfsklave Maximus seine Domina Lucia für eine kleine Weile zu seiner Liebessklavin machte.
Sowas nennt man wohl dann Rollentausch :).

Während Lycia danach ungesehen den Ludus verlässt, stiess die noch immer benebelte Lucia in den Tumult vor dem Ludus. So richtig raffte sie das alles zunächst gar nicht. Ein Rarius wurde in den Ludus geschafft, und Lucia brauchte eine Weile, bis sie bei dem ganzen Durcheinander kapiert hatte, um wen es ging. Es war der Rekrut mit dem zu grossen Helm, welchen sie in der Woche zuvor mal kennengelernt hat in der Unterstadt. Er stellte sich vor , der Rekrut Daxuc aus dem Hause Atticus zu sein. Da das Sklavenhaus Crispus gerade noch Luduswachen suchte, schien ihr der wendig wirkende Soldat geradezu perfekt, konnte der sich doch etwas nebenher verdienen, und sie sprach darüber mit Valerius, ob er nichts dagegen hätte. Dieser kannte offenbar keinen Rekruten namens Daxuc, welcher dem Haus Atticus dient und ging aber zur Sicherheit nochmal alle Listen durch, doch ohne Erfolg. Es gab keinen Rekruten namens Daxuc in diesem Haus. Und so kam es, dass dieser nun in einer Zelle im Ludus hockt und auf seinen ersten Einsatz als Kampfsklave wartet.

by Lucia Crispa
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Samstag, 14. Juni 2014

Der Thermen-Skandal

Tagebuchnotiz des Gaius:

Gestern Tiberia frisch gemacht und sie dann mit zum Rat genommen. Hab dafür gesorgt, dass ein paar wichtige Leute meine Schwester sehen. Schließlich mitbekommen, dass sie die Thermen offenbar an das Haus Avonicus verkauft haben. Was Marcus Baratheus etwas in Wallung brachte. Und mich erst.

Nicht nur , dass Thasdron sich als Sprachrohr für den abwesenden Avonicus aufführte. Nicht nur, dass Avonicus durch Abwesenheit auf dem Ratssitz der Händlerkaste glänzte und nunmehr mittels der Thermen in der Lage ist, mit mir gleichzuziehen und das Volk zu amüsieren so wie ich es mit Spielen kann…

Der Verkauf der Thermen ist ein Skandal, den ich zum Vorteil nutzen muss. Aber zuerst ist es ein Skandal. Mauschelei. Vetternwirtschaft, und wer weiß, welche Versprechen im Hintergrund zu dem Verkauf führten. Es ist ein Skandal, denn der Verkauf der öffentlichen Thermen durch die Stadt an einen Privaten ist nicht öffentlich ausgeschrieben worden. Niemand aus der Kaste wusste, dass sie überhaupt zum Verkauf stehen. Alle potenziellen Käufer, auch ich, sind übervorteilt worden von Avonicus, der seine Beziehungen als Magistrat ausgenutzt haben muss.

Aber entspricht es nicht dem Wesen des freien Handels, dass jeder eine Tospit auf dem Markt kaufen kann und sie jedem angeboten wird? Muss nicht erst Recht ein öffentliches und von Steuern finanziertes Gebäude wie die Thermen auch öffentlich zum Kauf angeboten werden und der den Zuschlag erhalten, der das beste Angebot, den besten Preis und das beste Konzept unterbreitet? All das ist hier nicht passiert.

Kumpanei und Vorteilsname im Amt stehen im Hintergrund. Daher werde ich die anderen Händler und Handelshäuser zu einer Kastenversammlung aufrufen. Ich werde ein Misstrauensvotum gegen Avonicus als Magistrat der Kaste fordern, der seinen persönlichen Vorteil gegenüber dem Wohl aller Händler stellt. Ich werde fordern, ihn auch als Kastenführer abzusetzen, weil er sich selbst als „Ersten“ der Händler sieht, nicht als deren Repräsentant. Das alles macht der Verkauf der Thermen nur allzu deutlich.

Ich werde Neuwahlen fordern – und bin mir ziemlich sicher, dass der Thermenskandal alle erzürnen wird. Ja, ich werde mir sogar vom Prätor, dessen Weib zur Händlerkaste gehört, als auch von dem bereits hellhörigen Marcus Baratheaus rechtliche Einschätzungen über die skandalöse Vetternwirtschaft und die Nichtrechtmäßigkeit des Verkaufs ohne öffentliche Ausschreibung besorgen.

Und kandidieren, wenn ein neuer Magistrat der Händler bestimmt wird. Logisch.

Abgesehen davon rege ich mich langsam etwas ab, aber immer noch auf. Tiberia zieht wenigstens wieder Kastenfarben an, wenn offizielle Anlässe anstehen. dieses rote bis zum Hals geschlitzte Kleid beim Besuch des Prätors… Ich hab ihr gesagt, wenn sie das nochmal macht, stecke ich sie eine Hand lang nackt in einen Käfig im Keller.

Und diese Sache mit Illarion… Ich kapiers nicht. Will mein Schwager meine kastenlose Haushälterin zur Gefährtin, die sich erst Quintus an den Hals warf und dann Illarion, um irgendwie nach oben zu gelangen. Das kann man ja keiner Frau vorwerfen - aber auch nicht zulassen, dass ganz Victoria über mich lacht und ruft: Seht nur, Gaius Schwager bekommt nur eine kastenlose Hausanagestellte ab. Und dass, wo er sich mit ordentlichen Plänen befasst und die Hafenmeisterei will. Was ich schätze. Und dann habe ich gerade den Prätor im Haus gehabt, da soll ich ihm beichten, mit WEM sich Illarion da einlassen will. Soll er die halt vögeln und eine ordentliche Gefährtin besorgen und sich von der unerfüllten Liebe für seine blöden Gedichte und seine Leierei inspirieren lassen. Ich meine: Wer vögelt seine Haushälterin nicht? Jeder macht das, dann kann er das doch auch? Aber Gefährtenschaft: das muss ordentlich sein und was hermachen.

Und Lucias Mutter unterstützt die Verbindung auch noch - ja, sind die von allen guten Geistern verlassen?

Gelasia



Gelasia war nach diesem Tag am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Die Ereignisse hatten sich vollkommen überschlagen. Nachdenklich lag sie auf ihrem Lager und ließ die vergangenen Erlebnisse Revue passieren.



DIE SILBERMÜNZE

Vor ungefähr zwei Tagen erhandelte sie im Hafen frischen Fisch. Sie legte gerade den letzten der glitschigen Wesen in ihren mitgebrachten Korb, als plötzlich ein Fremder vor ihr stand. Seiner Kleidung und seinen Waffen nach war er ein Wachmann, dem sie jedoch noch nie begegnet war.

Zuerst glaubte sie, sie würde verhaftet. Doch er schlug ihr einen Handel vor. Für eine Silbermünze sollte sie sich zu ihm legen. Ihr Schreck hätte kaum größer sein können. Sie war zwar eine Leibeigene, doch nicht völlig auf den Kopf gefallen, und zu oft hatte sie von all den Mädchen gehört, die der Lust verfallen und anschließend verdummt waren. Es gab wohl kaum etwas, das sie mehr fürchtete, als die schreckliche Aussicht darauf, ein kopfloses Vulo zu werden!

Sie redete sich so gut es ging heraus, während sein Drängen und Drohen zunahmen. Da er sie nicht einmal fragte, ob sie eine Leibeigene wäre, vermutete sie schließlich, dass er geschickt worden war, um ihre Loyalität zu ihrem Herrn auf den Prüfstand zu stellen. Als sie schließlich schon erleichtert aufatmen wollte, dass er endlich von ihr abließ, schnippte er eine Silbermünze in ihren Fischkorb und verschwand in den Gassen, ehe sie ihm noch die Münze zurück geben konnte.

Sie war entsetzt. Wer käme aus einer Laune heraus auf den Gedanken, einer Leibeigenen eine Silbermünze zu überlassen? Das würde ihr sicher noch große Schwierigkeiten einbringen, und sie sollte mit dieser Befürchtung Recht behalten.



DIE VERSTOSSUNG

Sie war kaum in der Küche angekommen, als plötzlich ihr Herr in die Küche stürmte. Noch nie war er in diesem Raum aufgetaucht! Er herrschte sie an, dass sie ihn betrogen habe. Er wühlte in ihrem Fischkorb, bekam die Silbermünze zu fassen und hielt sie ihr anklagend und mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck vor die Nase. Eine Diebin schimpfte er sie. Unheilvoll verkündete er sein Urteil. Er würde sie an das Sklavenhaus Crispus versetzen, damit sie ihm durch den Verkauf den Schaden ersetze, den sie ihm mit dem Diebstahl zugefügt habe.

Ihre Knie wurden butterweich und sie war nahe einer Ohnmacht. Doch bevor sie auf den Boden aufschlagen konnte, packte er sie an ihren zusammen gebundenen Haaren, entriss ihr die Nadeln, denn diese seien sein Besitz, und schleifte sie dann an ihrer langen Mähne vor allen Leuten durch die Gassen. Noch nie hatte sie sich so gedemütigt gefühlt. Doch es sollte schlimmer kommen.

Es dauerte nicht lange, als ein Wachmann des Sklavenhauses auftauchte, der sie abführen sollte. Und dieser Wachmann war ausgerechnet derjenige, der ihr die Silbermünze in den Korb geworfen hatte! Jetzt war es für sie sonnenklar, es musste ein Komplott gewesen sein. Es hatte sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet, dass ihr Herr unzufrieden mit ihr war. Sie war eine Last für ihn, denn für mehr als den Herd taugte sie seiner Ansicht nach nicht. Für die Felle war sie ihm mit ihrer Hakennase einfach zu hässlich. Da half es auch nicht, dass er nur allzu sehr dem Paga zugewandt war. Er konnte sie sich nicht einmal schön saufen. Die Silbermünze war also ein nur allzu willkommener Vorwand gewesen, um sie endgültig los zu werden und aus seinem Haus zu verstoßen. Gelasias Schicksal war besiegelt, ihre Zukunft ungewiss.



DIE ANKUNFT IM SKLAVENHAUS

Statt Gelasia umgehend dem Sklavenhaus zuzuführen, versuchte der Wachmann erneut, sich an ihr zu vergreifen. Mit der Aussicht, ihm etwas zu kochen, gelang es ihr wohl doch noch im letzten Moment, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Er hetzte sie Richtung Taverne durch die Gassen, wo sie nach wenigen Schritten auf Lady Lucia trafen. Wie sie aus der Unterhaltung ihres ehemaligen Herrn und des Wachmannes noch zuvor heraus gehört hatte, war Lady Lucia die Herrin des Sklavenhauses. Grund genug für sie, einen guten ersten Eindruck bei der Lady zu schinden, weshalb sie sie auch sofort als Herrin ansprach.

Bisher war sie reichen Herrschaften noch nie persönlich begegnet, außer vielleicht einmal von weitem bei einer ihrer Besorgungen für die Küche. Eine umfassende Sklavenausbildung hatte sie nie erhalten, weshalb sie immer davon ausging, dass alle Männer mit Sir, alle Frauen mit Lady angesprochen werden. Mit Ausnahme eines Besitzers, also dem Herr oder der Herrin. Sie sollte noch früh genug erfahren, dass in den reichen Kreisen dahingehend offensichtlich eine andere Auffassung vertreten wurde.

Als ihre neue Herrin Lucia mit ihr ein wenig abseits stand, fragte diese sie über ihre Herkunft und ihre Fähigkeiten aus. Den Bemerkungen nach zu urteilen fürchtete sie, Herrin Lucia habe etwas über ihr Geheimnis erfahren. Doch sie wurde nicht direkt darauf angesprochen. Vielleicht bildete Gelasia sich in ihrer Panik auch nur ein, dass sie etwas wissen könne. Sie lenkte ab und konnte Herrin Lucia davon überzeugen, als Topfsklavin die ein oder andere Fähigkeit gewinnbringend für das Haus Crispus einbringen zu können. Sie war glücklicherweise in einige Küchengeheimnisse für stimulierende oder hemmende Lebensmittel eingeweiht, was Herrin Lucia offenkundig hellhörig werden ließ.

Im Sklavenhaus wurde sie von Herrin Lucia durch die Räume geführt, damit sie wusste, wohin sie sich zu bewegen hatte, wenn sie gerufen wurde, und wo sie sich aufhalten durfte. Sie war beeindruckt von den teuren Möbeln, den Stoffen, der Seide, den Tapeten und Wandmalereien. Nie hatte sie so etwas aus der Nähe gesehen. Noch erstaunter war sie, als sie in das Kellergewölbe geführt wurde, das viel größer war, als sie es erwartet hatte. Selbst ein Bad war dort unten zu finden!

Unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit vertraute ihr Herrin Lucia ihre neuen Aufgaben an. Sie war positiv überrascht, dass sich die Lady als eine gewitzte Geschäftsfrau entpuppte, die es allem Anschein nach sehr gut verstand, ihren Vorteil aus ihrem Status zu ziehen. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Ein wenig erinnerte sie Herrin Lucia an ihre Mutter. Auch diese hatte es verstanden, aus ihrer Lage das Beste zu machen. Sie hatte sich als Gesellschafterin nach oben gearbeitet und wurde schließlich sogar im Lesen und Schreiben ausgebildet. Sie bestach nicht nur durch ihre Schönheit und ihren Fähigkeiten in den Fellen, sondern ebenso durch ihre Belesenheit. Sie war eine Muse in jeglicher Hinsicht. Ihr Wissen gab sie heimlich an Gelasia weiter. Es war ein vorteilhaftes, aber gleichzeitig gefährliches Wissen für eine Frau, und erst recht für eine Arbeitssklavin. Eines Tages war ihre Mutter spurlos verschwunden. Angeblich war sie verkauft worden. Doch Gelasia glaubt, dass ihr ihr Wissen zum Verhängnis wurde. Ein Grund mehr für sie, dem Rat ihrer Mutter zu folgen und dieses Geheimnis unter allen Umständen für sich zu bewahren.

Schließlich verabschiedete sich Herrin Lucia von ihr, und wies sie noch an, sich ordentlich zu waschen und zu kleiden, um bereits am nächsten Tag das Haus Crispus bestmöglich zu repräsentieren. Es war ihr Wunsch, dass die Sklavinnen einen ordentlichen Eindruck machten, denn die reichen Herrschaften gingen im Haus ein und aus, und eine schmutzige Sklavin wäre schlecht fürs Geschäft.



EIN SPIELBALL IM KAMPF UM DIE MACHT

Kaum war Herrin Lucia die Treppen nach oben entschwunden, lernte Gelasia auch schon die nächste Dame des Hauses persönlich kennen. Tiberia, die Schwester des Hausherren Gaius, der Gefährte Lady Lucias. Sie wies Gelasia an, Wasser nach oben zu bringen. In den oberen Räumen hielt sich die Mutter Lucias, Lady Fauna auf, sowie der Wachmann, dessen Namen sie in der Zwischenzeit erfahren hatte: Vicar. Diesen Namen würde sie sicherlich niemals vergessen. Es war ein Name, den sie mit Abscheu, Ekel und einem großen Schrecken verband.

Sie war es gewohnt, wie ein Schatten, beinah unsichtbar dafür zu sorgen, dass ihr Herr etwas zu trinken oder zu essen bekam. Von einem „Serv“ hatte sie nicht den blassesten Schimmer. Lady Lucia hatte ihr in den unteren Gewölben im Zusammenhang mit Kalana noch zu erklären versucht, was es damit auf sich hatte, aber die Zeit war zu kurz gewesen. Es kam wie es kommen musste, sie tappte prompt ins Fettnäpfchen und handelte sich die ersten Schwierigkeiten ein.

Vicar verlangte von ihr, das Wasser mit einem „Serv“ zu offerieren. Irritiert fragte sie Lady Fauna, ob dafür nicht ein Kalana vonnöten sei, was Vicar seinem darauf folgenden Wutausbruch nach zu urteilen für eine Frechheit ihrerseits zu halten schien. Sie versuchte noch, den anwesenden Herrschaften ihre Unwissenheit zu erklären. Doch das hielt Vicar nicht davon ab, ihr die nächste Demütigung anzukündigen. Er befahl ihr, sich ihrer Kleider zu entledigen und völlig entblößt zur Taverne hin und zurück zu laufen! Vielleicht war er verärgert darüber, dass er sich bisher nicht an ihr vergreifen konnte, und wollte sie unter allen Umständen damit strafen, von einer emsigen Topfsklavin zu einer einfältigen Fellsklavin zu verkommen.

Sie war völlig vor den Kopf gestoßen, aber vor allem irritiert. Schnell kristallisierte sich heraus, dass es hier wohl um mehr ging, als einfach nur eine Sklavin zu demütigen. Wer hatte hier das Sagen? Wer durfte Befehle erteilen? Standen nicht die freien Frauen, die die Anweisungen des Hausherren vertraten, über dem Wachmann in der Hierarchie? Gelasias bisheriges Weltbild, das zugegebenermaßen nicht mehr Welt umfasste, als die des Herdes, des Hafens, der Bäckerei oder Metzgerei, schien binnen weniger Augenblicke wie ein Kartenhaus in sich zusammen zu brechen.

Ein Schlagabtausch entbrannte zwischen den Frauen und dem Wachmann, die ihre Machtstellung im Hause Crispus offensichtlich nicht in Zweifel gezogen wissen wollten. Vicar betonte, dass Gelasia doch nur eine Sklavin sei, die nicht mehr wert sei als eine Silbermünze, wenn überhaupt. Die Frauen hielten dagegen, dass Gelasias Status noch nicht geklärt sei, ob sie geöffnet oder ungeöffnet war. Was sie dabei empfand, interessierte nicht. Sie war degradiert, kaum mehr wert als ein Tier. Sie war eine Sache, ein Spielball in einem Machtkampf, und nichts weiter als eine weitere Nummer im Hause Crispus: 326.

Sie entkam ihrer misslichen Lage nur durch eine glückliche Fügung, als sich am Tor des Hauses plötzlich später Besuch für Vicar ankündigte. Ihre Erleichterung war grenzenlos, und so war sie sogar dankbar, als Lady Fauna auch noch etwas von ihrem Kalana verschüttete, den Gelasia vom Boden aufwischen musste. Wenigstens eine Aufgabe an diesem Tag, die sie beherrschte und bei welcher sie sich nicht vor möglichen Folgen fürchten musste, doch noch geistig verarmen zu müssen.

Sie konnte nur hoffen, dass die nächsten Tage besser wurden. Statt bloßem Ausführen einfacher Befehle würde sie sich jetzt wohl diplomatische Fähigkeiten aneignen müssen, um nicht zwischen den um Machstellungen kämpfenden Herrschaften zerrieben zu werden. Erschöpft schlief sie schließlich auf ihrem Lager ein.

by Gelasia

Freitag, 13. Juni 2014

Verrat, Schande und geflügelte Worte von Ehre


Gaius war aufgebracht, als er von den Plänen Illarions hörte, die Hausangestellte kastenlose Aurora zur Gefährtin zu nehmen, und das auch noch in Windeseile, und Lucia war wie vor den Kopf gestossen.
 Als sie am Abend während des Besuches des Prätors Quintus und seiner Nichte Lycia auch noch erfuhr, dass Aurora zeitgleich Quintus um ihren Finger gewickelt hatte, kam noch der schmerzende Schlag ins Gesicht dazu. Ausgerechnet Aurora spielt ein doppeltes Spiel. Lucia hatte diese stille und sanfte Frau bereits in ihr Herz geschlossen, sie sich gegenseitig Dinge anvertraut, doch nun stellt es sich für sie so dar, dass Aurora sich nur in ihr Haus geschlichen hatte, um ihrem Ziel hier in Victoria schnell einen Gefährten zu finden, wen auch immer, Hauptsache aufsteigen.
Als Aurora Gaius über den Weg läuft, sah und roch sie wohl den Ärger und zog es vor, sich erstmal aus dem Staub zu machen. Irgendwann spät am Abend nach einem langen ereignisreichen Tag, Lucia hatte ihre 'Lieblingscousine' Melina in Empfang genommen, und deren Kampfsklaven Helios in Priscus Obhut zur Ausbildung gegeben, bemerkte Lucia, dass Aurora nicht da war, und auch sonst fand sie keine Anzeichen dafür im Haus, dass sie je dagwesen war.

Gaius eh schon angekratzter Gemütszustand verschlimmerte sich noch, als dieser das noch mit Aurora und Quintus erfuhr. Er warf Lucia so einiges vor, ihre Familie würde ihm den gerade eingeschlagenen Weg in den Hohen Rat verbauen mit dieser Geschichte. Quintus musste ja damit rechnen, dass Gaius von all dem wusste und sich veraten vorkommen. So erwartet Gaius nun von Lucia, dass sie die Dinge in die richtige Richtung bringt, ihren Bruder Illarion dazu bewegt, diese folgenschwere Gefährtenschaft nicht einzugehen, und Gaius selbst würde sich Aurora vorknöpfen und er wollte nach Lucias Rat auch Quintus aufsuchen, um sich vor diesem von dieser Sache zu distanzieren.

Da die Luft im Hause Crispus so dick war, dass man sie kaum atmen konnte, ohne daran zu ersticken, beschlossen Gaius und Lucia hinunter zum Hafen gehen, und was sie dort sahen und wen sie dort trafen, setzte Allem noch die Krone auf.
 Das Haus Atticus, zu welchem sie sowieo ein gespaltenes Verhältnis hatten, auf Grund dieser dummen Geschichte mit der Sklavin 236, hatte sein vor Tagen gegebenes Versprechen, diese gefährliche bewaffnete Betrügerbande von dem Schiff hochgehen zu lassen, natürlich nicht eingelöst. Dabei hatten sie alle nötigen Informationen, Beschreibungen, die sie dafür brauchten, denn Lucia hat mit Hilfe von Rarius Benendicus und Sklavin Taisa tagelang recherchiert. Man vermutete sogar, dass es sich bei der kürzlich gefundenen Leiche um ein Beatzungsmitglied dieses Schiffes handelt.
 Lucia hatte es geahnt, warum sollte Sergius Atticus daran gelegen sein, den kleinen Betrüger zu schnappen, stellte das doch seine Ehre in Frage und für Lucia war klar, dass die Leiche selbiger sein musste.
So löst also das Haus Atticus seine Probleme, und dabei hatte Lucia diesem Onkel von Sergius, Valerius jedes Wort geglaubt.
Valerius, irgendwann stand er vor ihr, um mit ihr über einige Dinge zu sprechen, unter anderem auch über Sergius und diese unschöne Geschichte, welche schon lange nicht mehr um den Diebstahl irgendeiner Sklavin ging, sondern um die Ehre des Hauses Crispus, welche Sergius öffentlich anzweifelte. Valerius versprach, die Sache würde ohne grosses Aufsehen bereinigt werden, doch wurde bisher weder das bereinigt, noch die Hafenbande geschnappt.
Lucia war enttäuscht, Valerius war ein reifer, doch stattlicher Mann, attraktiv und er war ihr sofort symphatisch. Doch was sie letztendlich aus ihren güldenen Sandalen gehauen hatte, war sein Reden über Ehre. Schon lange nicht mehr war sie jemandem wie ihm begegnet, der Ehre über alles stellte, auch wenn es hintenrum einfacher wäre. Nein, Valerius schien anders, geradezu einzigartig, besser hätte ihr von der Muse geküsster Bruder Illarion es nicht in seinen Versen ausdrücken können, wie Valerius über Ehre sprach.
Lucia war  so beeindruckt, dass sie sogar ihre eigenen Verhaltens-und Denkweisen in Frage stellte, ehrbar sein, das war doch was.
 Ja, und Valerius schien sie auch zu mögen, oft war er ihr einfach plötzlich zu nah oder es gab einen etwas zu intensiven Blick in ihre Augen. Letztendlich ging er wegen der "Ehre"  und liess sie völlig durcheinander zurück.

Doch nun wusste sie mehr, sie hatte sich blenden lassen von diesem Ehrgefasel aus dem Hause Atticus, was auch immer sie damit bezweckten, und es war ihr unangenehm, festzustellen, dass sie so töricht gewesen war, das alles zu glauben. Hauptsache Gaius erfuhr nichts davon, wie offenherzig sie mit Valerius über alles gesprochen hatte.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Ein prosperierendes Geschäftshaus


Seit sie in Victoria waren, hatten Gaius und Lucia jeden Tag hart gearbeitet. Aus ihrem eher kleinen Sklavenhandel sollte ein grosses Geschäft werden. Und binnen kurzer Zeit kamen sie ihrem Ziel durch Ehrgeiz und durch glückliche Fügungen immer näher.

Sie waren in den grossen Ludus umgezogen, was sie sich eigentlich nicht leisten konnten, sie haben wichtige Kontakte in die hohen Kasten geknüpft und gepflegt, opulente Feste gefeiert und veranstalten regelmässig Gladiatorenkämpfe.

Mittlerweie vervollständigt sich ihre Familie, Lucias Mutter Fauna und ihr Bruder Illarion kamen in die Stadt und auch Gaius jüngere Schwester Tiberia, von deren Existenz er erst kürzlich erfahren hat.
Doch der Weg dorthin war nicht immer leicht. Gaius und Lucia haben lange für ihre Verbindung kämpfen müssen, damals in Rovere. Gaius hatte gerade den kleinen Sklavenhandel seines Vaters übernommen, und Lucias ehrgeizige Mutter Fauna hatte ganz andere Pläne mit ihrer hübschen perfekt erzogenen Tochter.

Doch entgegen allen düsteren Prognosen ihrer Familie, sie würden irgendwann einmal in irgendwelchen Häfen Billigware vertickern, um zu überleben, funktionieren Gaius und Lucia perfekt zusammen. Er mit seinem scharfen Geschäftsinn und Ehrgeiz, sie mit ihrer guten Erziehung und der Gewandtheit, sich in den Kreisen hoher Kasten bewegen zu können, dank ihrer Mutter. Mutter Fauna hat immer Wert drauf gelegt, dass sie Lesen, Schreiben und gute Umgangsformen erlernt.

Für Lucia ist Gaius der Mann ihrer Träume, und Familie steht für sie beide an oberster Stelle. Auch wenn Lucia zuweilen anfällig für amouröse Verstrickungen ist, da das geschäftige Leben der Beiden kaum Raum für Zweisamkeit lässt, weiss sie doch, zu wem sie gehört und sie geht niemals zu weit.

By Lucia Crispus

Das Sklavenhaus Crispus in Victoria

Wohlan - ab jetzt geht es in diesem Blog nicht mehr um Ar, sondern um „Gor extended“-Rollenspiel in Victoria am Vosk.

Es macht bislang wirklich teuflischen Spaß dort, und an dieser Stelle werden immer mal wieder Mitglieder aus dem Haus Crispus etwas posten oder Bilder aus dem RP zeigen… Wo sich alle anderen Victorianer die Finger wund tippen in ihren Blogs, sollen die Crisper auch die Chance dazu haben.

Der alten Zeiten wegen bleiben alle alten Arer Einträge hier noch stehen. Gleichwohl markiert dieser Eintrag hier den Marker.

Dienstag, 14. Januar 2014

Abgesang

Die Sim Ar ist dicht und abgeräumt. Es dauerte länger, Ar zu bauen, als dass es bespielt wurde. Leider. Denn Ar war, ganz objektiv gesprochen, eine der baulich sehr schönen deutschen Gor-Sims. Und die meisten baulich sehr schönen Sims schlossen zuletzt.

Der Grund, warum Ar nach nur knapp über zwei Monaten schließt, ist einfach: Es ist nicht so angekommen wie erwartet. Nämlich im Grunde gar nicht angekommen. Niemand nahm an, dass jeden Tag ein Traffic von 15 bis 20 Spielern da sein würde. Es nahm aber auch niemand an, dass der Traffic sich auf 0 bis drei Spieler beschränkte. Da das aber so war, war die Konsequenz einfach - auch, wenn man sagen mag, dass eine Sim sich über ein Jahr hinweg erstmal bewähren müsste. Nein, muss sie nicht, denn es waren andere Zeiten, in denen die „alten“ Sims begonnen, sich zu bewähren. Es waren sehr viel mehr Spieler da die ein sehr viel größeres Interesse an Kontinuität hatten statt im „here we are, now entertain us“-Modus, frei nach Kurt Cobain zitiert, unterwegs waren.

Das soll kein Jammern sein, ganz und gar nicht. Es ist auch kein Suchen nach Gründen, kein Fazit, es ist nur der zarte Versuch einer öffentlichen Erklärung zum Schließen von Ar. Am Ende wird Ar also wieder das sein, was es in den Köpfen der allermeisten deutschen Gor-Spieler immer gewesen ist: ein fiktiver Herkunftsort, ein fiktiver IC-Rückzugsort, wenn man mal eine Zeit lang nicht im Spiel ist und die „Verwandten in Ar besucht“.

Schade um das verschenkte Potenzial, aber die Karawane zieht weiter. Bitte weiter gehen, hier gibt’s nichts mehr zu sehen - auch nicht mehr in diesem Blog.

Montag, 6. Januar 2014

Ohne den Stein der Steine

Nachdem Ar nun frei war kehrt die Heilerin Cäcilia  zurück in ihre Stadt.
Auf Selnar kam sie bezüglich des Arer Heimsteins nicht weiter und auch Lucius kam nicht mehr zu ihr in Behandlung. Sie hatte gehört, dass er nach Ar gegangen war, doch hatte sie all ihre Hoffnungen auf ihn gesetzt, mit all den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln hatte sie versucht durch ihn nahe genug an den Stein aller Steine heranzukommen. Doch nun musste sie sich eingestehen, dass sie entweder einen anderen Weg einschlagen musste oder erstmal unverichteter Dinge zurückkehrt.
Doch Lucius war in Ar, vielleicht konnte sie doch da weitermachen, wo sie aufgehört hatten, sie wusste, der Kerl war leicht zu lenken, wenn man das Steuer in die richtige Richtung bewegt.




Zurück in Ar bezog sie wieder ihr Heilerhaus, es gab jede Menge zu tun und so stürzte sie sich in die Arbeit, irgendwann würde sie Lucius über den Weg laufen, Ar war gross, doch nicht gross genug.
Sie hasste es, wenn Dinge nicht zum Ende geführt wurden, wenn kostbare Zeit und Energie investiert wurde und sie letztendlich ohne ein Ergebnis da stand.

Was ist eine Stadt ohne ihren Heimstein?

Donnerstag, 2. Januar 2014

Ein Ausweg für Laurenzia - in Eisen…

Im Kennel: Laurenzia ist ziemlich ausgemergelt nach der langen Haft.
Das Geschäft: Lucius erklärt ihr, dass er sie gegen Gold aus Ar herausbringen kann…
…nur müsse sie sich ihm dazu unterwerfen, um später gegen reichlich Gold von ihm wieder freigelassen zu werden…
…und sie geht auf den Handel ein, doch versteht sie noch nicht, was sie nun in der Zwischenzeit ist - und Lucius andersherum nicht, als was sie sich immer noch sieht: als eine Freie.


Nach dem Tod des Tullius und der Befreiung von Ar schmachtet immer noch die Gefährtin des früheren Statthalters, Laurenzia, in den Kenneln. Es ist klar, dass sie entweder zur Volksbelustigung hingerichtet werden wird - oder aber für immer als Sklavin in Ar dienen soll. Eine Zukunft, die ihr kaum passt.

Da trifft es sich, dass Lucius aus Schendi in die Stadt kommt, von Laurenzia hört – und vor allem von ihrem Reichtum, denn sie soll Schätze des Statthalters noch versteckt halten sowie ein Vermögen auf Cos vorhalten. Und es gibt kaum etwas, das Lucius weniger liebt als Gold. Er ist eine Art Glücksritter, war früher ein Voskpirat und hat sich in der gestohlenen Uniform eines cosianischen Soldaten in Selnar den Weg bis in die Leibgarde des Lurius ergaunert und erlogen. Er hat in Turmus geplündert und reiche Beute gemacht. Im Bürgerkrieg gegen Ar hat er schnell verstanden, dass sich in den Wirren dort ebenfalls gut plündern lässt, weswegen er in die Uniform eines toten Arers schlüpfte und sich Eingang in die Stadt der Städte verschaffte – auch, um dort seinen Besitz, die Sklavin Fina, wieder zu beanspruchen. Und lukrativ versprach ihm die Laurenzia-Situation zu sein… Lucius ist zwar ein grobschlächtiger Dummkopf, ungebildet und ungehobelt, aber geschäftstüchtig.

Also verschaffte er sich Zugang zum Kennel. Und er erklärte der Frau seinen Plan: Gegen jede Menge Gold könne er sie aus der Stadt schaffen. Doch es gebe nur einen Weg: Sie müsse vorspielen, in wilder Hitze und Begierde für ihn entflammt zu sein und sich unterwerfen. Es müsse Zeugen geben, dass er nicht anders konnte, als die Unterwerfung anzunehmen. So könne er sie dann aus der Stadt bringen, nach Cos, und sie im Austausch gegen Massen des versteckten Goldes von Tullius schließlich wieder freilassen. Ein hohes Risiko für ihn – auch ein hohes Risiko für sie, denn der Kragen ändert vieles in einem Weib.

Gesagt getan: Vor vielen Kerkerwachen griff Laurenzia Lucius an die Hose, warf sich zu Boden und bettelte, genommen zu werden und unterwarf sich ihm schließlich. Nackt und am Strick führte dieser sie durch die Stadt in sein Zimmer in der Kaserne, um sie dort einige Tage zu halten und schließlich aus der Stadt zu bringen. „Dass dir das klar ist“, sagte Laurenzia immer wieder, „ich bin eine Freie, die nur so tut als sei sie eine Sklavin, und du wirst mich nicht anfassen und sonst auch keiner, denn sonst gibt es kein Gold!“ Und immer wieder verdeutlicht auf der anderen Seite Lucius: „Der Schein muss aufrecht erhalten bleiben, und du wirst tun, was ich sage, denn du bist nun, was du bist: meine Sklavin, und dementsprechend wirst du dich verhalten, und so wirst du auch behandelt werden - bis auf Weiteres!“ Und erklärt, dass sie sich in dem Schauspiel ihm aus Hitze unterworfen habe, und dieses Bild müsse aufrecht erhalten bleiben. Worauf sie immer wieder sagt: „Packst du mich an, bekommst du kein Gold!“

Das wird nicht einfach mit der, weiß Lucius, und die wird ihn noch um den Verstand bringen – also schafft er sie besser so schnell wie möglich fort, kassiert und nimmt ihr den Kragen wieder ab, um nicht selbst in einem zu landen…